22. Feuerwehrsymposium

Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Auditorium der Versicherungskammer Bayern, als Wolfgang Schäuble, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbands München, die Gäste des Symposiums begrüßte.

Bereits in seinen einleitenden Worten versprach er einen bunten Strauß an Themen, welche die Zuhörer in den folgenden Stunden zu erwarten haben. Besonders erfreulich war, dass neben Führungskräften der Feuerwehren auch Vertreter aus der Politik immer wieder das Symposium besuchen.

In seinem Grußwort hob der Vertreter des Hauses, Florian Ramsl, die Bedeutung dieser Veranstaltung für die Versicherungskammer Bayern hervor. Gerade aufgrund einer engen Partnerschaft zur Feuerwehr freut man sich darauf als Gastgeber die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Herr Ramsl ging in seiner Rede auf das Hagelunwetter im Juni dieses Jahres ein und beschrieb es als große Herausforderung, 40.000 Schadensmeldungen zeitnah zu bearbeiten.

Diese Überleitung nahm Oliver Bendixen, der Moderator der Veranstaltung, gerne auf. Mit Blick auf die anstehenden Themen fand er es beeindruckend, dass wir in München nicht nur über Stromausfall reden wollen, sondern am frühen Morgen des Veranstaltungstags durch einen Brand in einer Trafostation bei der Deutschen Bahn auch gleich die Praxis dazu lieferten. „Echt München halt, wenn dann schon richtig“, meinte der Moderator.

Einsatzstellenbegehung - von der Feuerwehr für die Feuerwehr

Als erster Fachreferent ging der Leitende Branddirektor Peter Bachmeier von der Berufsfeuerwehr München auf die Bühne, um über das Thema Einsatzstellenbegehung zu referieren.

Hierbei wurden Erkenntnisse aus über 200 Begehungen gesammelt und ausgewertet. Ziel hierbei ist eine objektive Bewertung der geforderten und umgesetzten Maßnahmen des Vorbeugenden Brandschutzes (VB). Hierbei sind erste Tendenzen schon jetzt abzusehen. Zum Beispiel tritt bei etwa 60% der Brandereignisse der giftige Rauch aus der Nutzungseinheit in weitere Bereiche wie zum Beispiel Treppenräume aus und beeinflusst so den Rettungsweg. Eine weitere beeindruckende Zahl gab es zum Thema Rauchwarnmelder. Trotz einer gesetzlichen Rauchmelderpflicht sind bei der Auswertung der Brände nur in 60% der Fälle Rauchmelder vorhanden gewesen.

Gerade in den frühen Planungen bei Musterbauverordnungen werden diese gesammelten Auswertungen wertvolle Erkenntnisse liefern, um die Sicherheit in Gebäuden zu verbessern und wirkungsvolle Brandschutzmaßnahmen im vorbeugenden wie auch abwehrenden Brandschutz zu begründen.

Hr. Bachmeier forderte die anwesenden Feuerwehrangehörigen auf, nach Brandereignissen Einsatzstellenbegehungen durchzuführen, um noch mehr auswertbare Fälle auch aus dem ländlichen Bereich zu bekommen. „Wir machen unsere Arbeit, um Erkenntnisse von der Feuerwehr für die Feuerwehr zu liefern“, so Bachmeier.

Feuerkrebs – Ein Risiko für Einsatzkräfte?

Seit einiger Zeit beschäftigt sich die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung mit dem Thema Krebsrisiko im Feuerwehrdienst. Der Leiter des Projektes, Tim Pelzl, selbst aktives Mitglied einer freiwilligen Feuerwehr, begann seinen Vortrag mit einer lebhaften Darstellung eines Gefahrstoffeinsatzes mit dem Augenmerk der Feuerwehr auf die Bereiche Inkorporation und Kontamination, um sich nicht zu gefährden.

Doch wenn an der Einsatzstelle ein Brand vorzufinden ist, werden diese Grundsätze seiner Meinung nach noch zu sehr vernachlässigt. Gerade im Ruß befinden sich sehr viele krebserregende Stoffe. „Wir müssen aber sachlich diskutieren, ohne Panikmache, um eine reale Einschätzung der Gefahr zu bekommen“. Deshalb wird in Zusammenarbeit mit den Feuerwehren aus Hamburg und Berlin ein Biomonitoring von Einsatzkräften durchgeführt. Hier sollen ausreichend Daten erfasst und ausgewertet werden.

Spannend wird hierbei die Frage: „Brauchen wir Verbesserungen in der Schutzkleidung?“. Ein besonderes Augenmerk liegt in einem weiteren Pilotversuch beim Thema Kontaminationsverschleppung. Mundschutz, Schutzhandschuhe und Schürzen sollen hier für ausreichend Schutz vor Rußpartikeln und krebserregenden Stoffen sorgen. Ein wichtiges Thema für die Feuerwehr, was in der Betrachtung noch ganz am Anfang steht.

Stromausfall – Netzbetreiber und Feuerwehr im Zusammenspiel

„Was passiert bei einem Stromausfall und wie sind wir darauf vorbereitet?“. Um dies besser verstehen zu können, erläuterte Bernhard Iglhaut von der Bayernwerk AG zuerst den Aufbau des Netzbetreibers. Er gab den Zuhörern einen Überblick über die unterschiedlichen Anlagentypen und deren spezielle Gefahren für die Einsatzkräfte.

Besonders wichtig ist für die Einsatzkräfte, die notwendigen Sicherheitsabstände einzuhalten, besonders bei beschädigten Anlagen. „Wenn der Strom weg ist, heißt das nicht, dass das so bleibt“. Zur Ermittlung der genauen Schadensstelle kann es notwendig sein, mehrere Zuschaltversuche zu machen. Der Strom wird nicht automatisch abgeschaltet, wohl die wichtigste Erkenntnis für die Führungskräfte der Feuerwehren. Durch mehrere Bilder wurde nochmals eindrucksvoll die Gefahr von Stromleitungen verdeutlicht.

Ein sogenannter Blackout, ein großflächiger Stromausfall, hat in den Augen des Referenten oftmals nur eine kleine Ursache. Sobald diese bekannt ist, wird beim Netzbetreiber ein Krisenstab eingerichtet, um so schnell wie möglich die flächendeckende Stromversorgung wiederherzustellen.

Im Dialog mit den Zuhörern wurde das Thema „Erreichbarkeit des Netzbetreibers für die Einsatzleiter der Feuerwehren“ besprochen und diskutiert. Bei allen Zuhörern konnten die Zweifel an der zügigen Erreichbarkeit sicherlich nicht ganz ausgeräumt werden.

Das Feuerwehrhaus – Anlaufstelle für Bürger bei Stromausfall?

Nichts geht mehr! Der Strom ist weg, das Handynetz ist ausgefallen, Festnetztelefone funktionieren nicht mehr und jetzt braucht jemand Hilfe.

Doch wohin im Notfall? Ist die Feuerwehr vor Ort geeignet als Anlaufstelle für die Bevölkerung?

Diese Frage stellte man sich in Rosenheim. Stadtbrandrat Hans Meyrl referierte genau über diese Fragen. In Rosenheim hat man sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Welche Bereiche gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen funktionsfähig bleiben?

Im Rahmen dieses Prozesses kam man natürlich auch dazu, die Feuerwachen zu überprüfen und so aufzustellen, dass diese auch bei Stromausfall funktionsfähig bleiben. Notstromaggregate im Keller, Einspeisemöglichkeiten für mobile Generatoren und Planungen für den Fall der Fälle muss man im Voraus durchführen. Dass dies auch nicht unbedingt ein Vermögen kostet, wurde an Beispielen gezeigt. In seinem Vortrag forderte der Stadtbrandrat die Zuhörer auf, auch in ihren Landkreisen, Städten und Gemeinden solche Planungen zu beginnen oder fortzuführen. In Rosenheim ist man schon einen Schritt weiter. Hier werden die Feuerwehrgerätehäuser zusätzlich auch als Anlaufstellen für die Bürger im Notfall genutzt.

Sicherlich ein gutes Beispiel für den Fall der Fälle.

Lübeck – Und plötzlich war die ganze Stadt ohne Strom

Thomas Köstler, stellvertretender Leiter der Berufsfeuerwehr Lübeck, wechselte vor wenigen Jahren von München an die Ostseestadt. Beim diesjährigen Symposium konnte er nun in seiner alten Heimat über die Herausforderungen für die Feuerwehr beim vollflächigen Stromausfall der Stadt Lübeck berichten.

Als am 16. Mai 2018 um 12.13 Uhr der Strom kurz ausfiel und daraufhin die Notstromversorgung der Feuerwache anlief, ahnte niemand, dass die ganze Stadt plötzlich stromlos war. Nachdem innerhalb kurzer Zeit Meldungen aus der ganzen Stadt kamen, richtete man einen Krisenstab ein, um erste Maßnahmen zu planen.

Vorrangig wurde als erstes die Infrastruktur im eigenen Haus überprüft und die Handlungsfähigkeit sichergestellt. Anschließend begann man, die kritische Infrastruktur zu beleuchten. Wie sieht es in Altenheimen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen aus? Wie in der Verwaltung der Stadt? Sichterfahrzeuge wurden eingesetzt, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen und die Einrichtungen aufzufordern, ihre Systeme der Notstromversorgung zu prüfen. „Man wollte vor die Lage kommen, vorbereitet sein. Doch dann fiel der Digitalfunk aus“, schilderte Thomas Köstler. Fahrzeuge waren abgeschnitten von der Leitstelle, keine Kommunikation mehr möglich. „Zum Glück konnten wir in dieser Situation auf den noch vorhandenen Analogfunk ausweichen“.

So schwierig die Planungen und Herausforderungen für die Feuerwehr auch waren. Für die Stadt war es einer der entspanntesten Tage des Jahres. Nachdem die Menschen nicht mehr arbeiten konnten, setzten sie sich in Cafés und Restaurants und genossen den warmen Tag.

Dennoch hatte die Feuerwehr in diesem Zeitraum alle Hände voll zu tun. 32 Einsätze wurden während der vier Stunden abgearbeitet. Eine ganze Stadt ohne Strom – bis zu diesem Tag nicht vorstellbar.

Zum Schluss dankte der Moderator Oliver Bendixen mit seiner humorigen Art den Referenten für die interessanten Beiträge zum diesjährigen Symposium. Der Vorsitzende des Stadtfeuerwehrverbandes Wolfgang Schäuble zog ein positives Fazit zur Veranstaltung. Interessante Beiträge, lebhafte Diskussionen und eine gelungene Ausstellung. „Wir haben damit die richtigen Themen gefunden“, fasste der Leiter der Münchner Feuerwehr den Tag zusammen.